Weihnachtl. Abend -Schulsanitäter-

Super – heute ist Weihnachtsabend!!! Die Musiker bringen ihre Instrumente ins Warme und stimmen sie schon mal. Die Schauspieler proben zum letzten Mal ein paar Textstellen und in einer anderen Ecke der Turnhalle hat sich der Chor zusammengestellt und versucht sich an „Ihr Kinderlein kommet“. Irgendwie weiß jeder, was ihn jetzt gleich erwartet.

Jeder außer mir. Ich weiß nur, dass nicht nur Kinderlein, sondern auch jede Menge erwachsene Gäste kommen werden und dass mein Job darin besteht, zu helfen, wenn es einem von ihnen plötzlich schlecht geht.
Dafür habe ich mit den anderen Mitgliedern des Schulsanitätsdienstes heute Nachmittag schon mal den Rucksack gecheckt und aufgefüllt, Decken eingepackt und unsere Westen rausgesucht. Nur das mit der Probe ist bei uns nicht ganz so einfach. Denn während Band, Chor und Theaterleute ganz genau wissen, was sie heute Abend aufführen werden, ist so eine Veranstaltung für uns immer eine Überraschung. Wenn es gut läuft, sind wir arbeitslos. Für alle anderen Eventualitäten sollten wir aber auch gerüstet sein.

Also gehen wir nochmal kurz verschiedene Notfallszenarien im Kopf durch, die man sich im Rahmen einer solchen Veranstaltung vorstellen kann, und die wir auch an etlichen Nachmittagen geübt haben: Wir versorgen den Schauspieler, der ohnmächtig von der Bühne kippt; den Gitarrenspieler, der mit den Fingern in den Saiten hängenbleibt; oder auch den Großvater, der vor lauter Aufregung mitten im Zuschauerraum vom Stuhl kippt, aus den voll besetzten Reihen geborgen und an den Rettungsdienst übergeben werden muss.

Und dann geht’s auch schon los. Man lauscht der Musik, man versucht dem Schauspiel zu folgen, und hat doch ständig den Gedanken im Hinterkopf, dass doch bitte heute lieber nichts passieren möge. Ja, so ein Abend fühlt sich definitiv anders an, wenn man weiß, dass man plötzlich auf dem Präsentierteller steht und funktionieren soll, wenn alle anderen nicht wissen würden, wie man richtig reagiert.

Somit ziehen sich unsere Proben über das ganze Schuljahr, mit dem kleinen Unterschied, dass wir Schulsanitäter nach so einer Veranstaltung eigentlich immer ganz froh sind, wenn wir keinen „Auftritt“ hatten.