Einmal ein bisschen andere Schulluft schnuppern – das wollten 30 Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen. Statt in den gewohnten Klassenzimmern der RSN fand der Unterricht daher diesmal im rund 200 Kilometer entfernten Štěnovice statt, wo sie zwei Schultage gemeinsam mit tschechischen Jugendlichen verbrachten. Möglich macht solche Auslandsaufenthalte das Programm Erasmus+ der Europäischen Union, das den Teilnehmenden eine Reise ohne Eigenanteil erlaubt.

Am Montagmorgen traf sich die Gruppe mit viel Gepäck in der Aula. Zunächst erhielten alle Kinder Namensschilder, damit die tschechischen Partner sie leichter kennenlernen konnten. Im modernen Bus reisten – neben Busfahrer Bernd – 15 Schülerinnen und 15 Schüler der 7. Jahrgangsstufe sowie die Lehrkräfte Frau Putz (Tschechisch), Frau Baier und Frau Saller an. Herr Cabarth stieß aufgrund schulischer Verpflichtungen erst später zur Gruppe. Sicher und routiniert brachte uns Bernd ins Nachbarland und parkte direkt vor der Partnerschule. Dort wurden wir bereits herzlich mit einem „Dobrý den“ empfangen. Jedes Kind erhielt einen tschechischen Partner, der es durch die verschiedenen Aktivitäten begleitete. Im Physiksaal mussten nach deutschen Anweisungen Legosteine zusammengebaut werden – eine gute Gelegenheit für die Deutschlernenden zu überprüfen, ob ihre Anleitungen verständlich waren. Anschließend probierten sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen an einem Kartenspiel, bevor es in die Turnhalle ging. Bei den sportlichen Aufgaben standen Teamwork, Geschick und Konzentration im Vordergrund. An einer weiteren Station galt es, Chiffren zu entschlüsseln – keine leichte Aufgabe. Mit der richtigen Übersetzung erfuhren die deutschen Teilnehmenden gleichzeitig interessante Fakten über das Nachbarland. Den Abschluss der Gruppenaktivitäten bildete eine Führung durch die Schule. Besonders beeindruckend war deren Größe: Die Základní škola Štěnovice vereint Kindergarten, Grundschule und weiterführende Klassen bis zur 10. Jahrgangsstufe unter einem Dach. Weil der Schultag nicht wie bei uns schon um 13 Uhr zu Ende ist, erwartete uns ein schmackhaftes Mittagessen in der Schulmensa. Dort konnte man zwischen zwei Hauptgerichten wählen. Suppe und Nachspeise inklusive. Gut gestärkt folgte ein Spaziergang durch den Ort, bei dem die tschechischen Schülerinnen und Schüler Sehenswürdigkeiten auf Deutsch erklärten. Nach diesem ereignisreichen ersten Tag bezog die Gruppe ihre Zimmer im Hotel. Viel Zeit blieb jedoch nicht zum Ausruhen, denn es ging weiter nach Pilsen. Frau Putz zeigte uns dort unter anderem die große Synagoge, das alte und das neue Theater sowie die Statuen des Komponisten Smetana und der bekannten Marionettenfiguren Spejbl und Hurvínek im Kopecký-Park. Über den Platz der Republik mit Rathaus und Bartholomäus-Kathedrale führte der Weg schließlich – zur Freude vieler – in ein Einkaufszentrum. Danach kehrte die Gruppe zum Abendessen ins Hotel zurück. Während sich die Lehrkräfte mit ihren tschechischen Kollegen austauschten, verbrachten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam Zeit auf ihren Zimmern. Die vielen Eindrücke sorgten dafür, dass die meisten schnell einschliefen.

Der zweite Tag begann mit gemeinsamen Spielen, bei denen die Schülerinnen und Schüler nonverbal miteinander kommunizieren mussten, etwa indem sie sich nach bestimmten Kriterien in einer Reihe aufstellten. Anschließend gestalteten sie Plakate, auf denen die Aktivitäten dokumentiert wurden. Jede Gruppe präsentierte ihre Ergebnisse in einer kurzen Vorstellung. Nach dem Mittagessen lernten alle noch einige tschechische Wörter von ihren Partnern – manche überzeugten dabei bereits mit erstaunlich sicherer Aussprache. Schon bald hieß es Abschied nehmen, und die Rückreise nach Neutraubling begann.
Die tschechischen Gastgeber gaben sich große Mühe, den Aufenthalt zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Die Erasmus+-Fahrt war für alle Beteiligten eine bereichernde Erfahrung. Sie hat nicht nur den Horizont erweitert, sondern auch gezeigt, wie wichtig Austausch, Offenheit und Zusammenarbeit sind. Neben vielen neuen Eindrücken bleiben vor allem eines - viele neue Freundschaften.

